Fischbach-Spange: Eine Umgehungsstraße mitten durch unseren Wald. Echt jetzt?

In Kelkheim zu wohnen ist schon fast ein Privileg. Das wird mir immer bewusster. Wir liegen wunderschön umgeben von Wald und Feld. Ich selbst wohne in Fischbach und bin – nicht übertrieben – in zwei Minuten mitten im Grünen. Und jetzt soll im Wald zwischen Hornau und Fischbach eine Schneise für eine neue Umgehungsstraße geschlagen werden? Geht’s noch?

Eigentlich sollte der Hallo-Kelkheim-Blog weder parteiisch noch politisch sein, sondern einfach nur ein Schubiduh-hey-schaut-her-so-schön-ist-Kelkheim-Blog (bleibt er auch), aber diese Umgehungsstraße durch unseren wunderschönen Wald beschäftigt mich zu sehr.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin gegen diese Umgehungsstraße (ach!), die vom Ende der B8 in Hornau bis zum Ende Fischbachs auf die B455 quer durch Wald und Wiese führen soll. Warum bin ich dagegen?

Morgenspaziergang im Hornauer Wald

Zu kurz gedacht

Weil ich zum einen glaube, dass die neue Straße nur kurzfristig Entlastung bringen würde. Jeder, der morgens diesem unsäglichen Stau auf der A66 von Wiesbaden nach Frankfurt (und abends in die entgegengesetzte Richtung) auch nur einen Hauch entgehen kann, der wird dies tun. Sollte die Umgehungsstraße tatsächlich kommen, wird sich das schnell herumsprechen und mehr Pendler werden diese Strecke fahren. Am Ende haben wir ziemlich sicher noch mehr Verkehr in Kelkheim. Ich glaube, das will keiner.

Blick vom Fischbacher Sportplatz auf Ruppsch

Das Auto ist kein Zukunftsmodell

Zum anderen wissen wir alle, dass wir vom Auto weg müssen, ganz gleich, ob Verbrennungsmotor oder Elektromobilität. Denn beides schadet unserer Umwelt: Alles, was produziert wird, belastet – und wenn es eine Klopapierrolle ist. Rohstoffe müssen gewonnen und verarbeitet werden, die Produktion braucht Unmengen an Energie und am Ende muss alles irgendwie und irgendwo entsorgt werden, was auch ein riesiges Problem ist (das wir gerne ins Ausland verlagern). Deswegen kann die Lösung nicht noch mehr Straßen für noch mehr Autos sein. Aber wie zur Arbeit kommen? Zum Beispiel mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, für die dringend Wege und Netze ausgebaut werden müssen, um auch attraktiv zu sein.

Fahrgemeinschaften

Fahrgemeinschaften helfen nicht nur, Geld zu sparen und Staus zu vermeiden, sondern schonen auch die Umwelt. Leere Beifahrer- und Rücksitze zu besetzen, ist schon fast die einfachste Lösung für die großen Verkehrsprobleme unserer Zeit und sollte meines Erachtens vom Staat gefördert werden. Okay, man ist halt nicht so flexibel und muss ggf. hin und wieder Kompromisse eingehen, aber ist das so schlimm? Dafür kommt man mal wieder ins Gespräch und hat – Achtung! – soziale Kontakte – völlig analog und wahrhaftig. Hat doch auch was.

Blick vom Merlin auf Ruppsch

Flexible Arbeitsmodelle

Und warum müssen in Zeiten der Digitalisierung eigentlich immer noch so viele Berufstätige zwischen 7:00 und 9:00 Uhr im Büro sein? Wie wäre es mit mehr flexiblen Arbeitszeiten? Stehen Jüngere und berufstätige Eltern total drauf, weil das Druck aus dem Alltag nimmt. Das würde zumindest schon mal den Verkehr ein ganzes Stück entzerren. Aber wir hätten immer noch die gleiche Menge an Autos auf der Straße. Dann, noch besser, flexible Arbeitsmodelle. Bieten inzwischen immer mehr Unternehmen: Die Mitarbeiter sind nicht nur hinsichtlich der Arbeitszeit flexibel, sondern auch was ihren Arbeitsort betrifft, wie beispielsweise Homeoffice. Hier muss dann erst gar kein Auto auf die Straße, bedeutet demnach weniger Verkehr.

Ganz ehrlich, ich finde, es muss nicht immer noch mehr und alles super bequem sein. Lasst uns andere Wege finden, gemeinsam und nicht immer stets auf Kosten der Umwelt. Immerhin ist es dieser wunderbare Planet, der uns all das gibt, was wir zum Leben brauchen: Luft, Wasser, Licht und Lebensmittel. Dafür sollten wir ein bisschen demütiger und dankbarer mit ihm umgehen. Findet ihr nicht?

2 Antworten auf „Fischbach-Spange: Eine Umgehungsstraße mitten durch unseren Wald. Echt jetzt?“

  1. Liebe Petra,

    Danke für die Ausführungen Ihrer Ansichten, welche ich zum Teil voll und ganz teile!

    Ich wünsche mir im Hinblick auf das Verkehrsproblem in Kelkheim/ Fischbach eine nachhaltige Lösung und sehe es absolut als Aufgabe der Politik, die Bürger vor dem unerträglichen Lärm, sowie der gesundheitlichen Belastung zu schützen!
    Die Gagernspange, die im übrigen ebenfalls durch die Natur führen würde, ist nachweislich in keinster Weise eine Lösung, die die Situation in Fischbach verbessern würde.

    Sie schreiben, sie wohnen in Fischbach. Können Sie denn die Situation der Bürger, die nicht das Glück haben in einer ruhigen Seitenstraße zu wohnen überhaupt beurteilen? Haben Sie Kinder, die täglich an einer gefährlichen Hauptverkehrsstraße zur Schule / Freunden gehen müssen?

    Die von Ihnen beschriebenen Maßnahmen zur Verkehrsreduktion hören sich wirklich toll an, sind aber in meinen Augen nicht zu realisierende Gegenargumente gegen die einzige nachhaltige Lösung – die Fischbachspange. Meinen Sie denn tatsächlich, dass sich in unserer schnelllebigen Gesellschaft Fahrgemeinschaften zur Arbeitsstätte bilden, bei flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsmodellen? Das ist doch ein Widerspruch in sich… Wer legt sich denn freiwillig fest, wenn er flexibel sein kann? Haben Sie selbst eine Fahrgemeinschaft, um Ihre Einkäufe zu erledigen, zur Arbeit zu fahren oder um sich mit Freunden zu treffen?
    In Kelkheim gibt es keine Bauplätze mehr. In den umliegenden Gemeinden entstehen weiterhin Siedlungen noch und nöcher (z.B. Niederjosbach, Schloßborn etc.) – eines ist klar, der Verkehr wird kontinuierlich ansteigen! Vor 30 Jahren konnte man über die Kelkheimer Straße noch Gespräche mit den Nachbarn führen. Gerne lade ich Sie zu uns ein, damit Sie sich mal ein Bild darüber machen können, wie unerträglich dieser Verkehr ist.

    Ich bin voll und ganz Ihrer Meinung, dass die Natur geschützt werden muss und achte sehr darauf meinen Teil zum Umweltschutz beizutragen! Es kann aber nicht angehen, dass Fischbach/ Kelkheim im Durchgangsverkehr erstickt. Es muss eine kurzfristige Lösung her und nicht eine, die sich in 2 Generationen bemerkbar macht (Stichwort ‘Autos sind nicht die Zukunft’)…

    1. Liebe Gabi,

      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Ich weiß, das ist ein sehr emotionales Thema und wir Kelkheimer werden darüber noch viel und lange diskutieren. Ich hoffe aber immer sachlich und mit Respekt.

      Ich habe ein Kind, das viele Jahre die Kelkheimer Straße entlang zur Schule gegangen ist. Das fand ich, ehrlich gesagt, nicht so schlimm. Es gibt ja auch viele alternative Wege zur Schule. Dann sind die Kinder im Zweifel fünf Minuten länger unterwegs. Schadet ihnen nicht 🙂

      Und ich bilde in der Tat eine Fahrgemeinschaft mit einem Kollegen, obwohl wir beide Firmenwagen haben. Und wir können dabei durchaus flexibel sein, man muss sich nur abstimmen. Ich finde, das widerspricht sich nicht. Manchmal geht es eben nicht, z. B. wenn einer von uns sehr viel zu tun hat oder man wegen der Kinder früher gehen muss. Ich finde, das ist kein Problem. Und ich habe das große Glück, tatsächlich im Homeoffice arbeiten zu können. So kann es sein, dass ich ursprünglich lange im Büro bleiben wollte, aber früher gehen muss, weil der Kollege kurzfristig ein Kind abholen muss. Dann nehme ich eben meinen Rechner mit nach Hause und arbeite dort weiter. Das kann natürlich nicht jeder. Wer bspw. am Schalter in der Bank, beim Arzt, im Labor oder an Maschinen arbeitet, der hat diese Flexibilität natürlich nicht. Aber sehr viele haben sie.

      Eine Fahrgemeinschaft zum Einkaufen halte ich nicht für sinnvoll. Das versuche ich, wenn irgendwie möglich, mit dem Fahrrad oder zu Fuß (und ich muss auf den Berg). Klar nutze ich auch das Auto, weil es schneller geht oder wenn viel zu schleppen ist. Aber ich versuche, es Stück für Stück zu reduzieren.

      Dass der Verkehr für die Menschen, die direkt an der Straße wohnen, eine Zumutung ist, das glaube ich. Gar keine Frage. Aber es muss eine andere Lösung geben. Wir müssen alle etwas von unserer Bequemlichkeit runter. Etwas für den Klimaschutz tun? Gerne, aber bitte nicht, wenn ich dafür meine Gewohnheiten ändern oder auf etwas verzichten muss. So geht es eben nicht.

      Wenn wir glauben, so weitermachen zu können, hinterlassen wir unseren Kindern keine lebenswerte Welt. Und wie gesagt, ich bin mir sicher, dass wir mit einer Umgehungsstraße noch mehr Pendler anlocken, die dann, statt über die A66 nach Frankfurt zu fahren, den Weg über die Dörfer nutzen. Dann stehen wir in kürzester Zeit vor dem gleichen Problem. Deswegen kann der Weg nur weniger Autos sein. Und dafür brauchen wir schnell attraktive Gegenangebote. Einfach ist das alles nicht, das ist mir klar.

      Herzliche Grüße
      Petra

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